3 Flüsse radltour 2020 - Tag 3 - Entlang der Vils
Von Vilshofen bis Lappersdorf
Heute ist der 3. Tag unserer Radltour. Als Highlight unserer 4-tägigen Tour besuchen wir das ehemalige Zisterzienser Kloster in Aldersbach. Aber dazu mehr, später am Tag. Leider wird die Kirche auf dem Gelände zur Zeit umgebaut, somit konnten wir nur den Außenbereich besichtigen. Das Kaffee, bzw. der Biergarten hatte, wie sollte es anders sein, geschlossen….
Die vergangene Nacht haben wir in einer Fahrrad-Pension in Vilshofen verbracht. Eine schlichte und einfache Unterkunft. Die Wirtsleute sehr freundlich und hilfsbereit. Das Frühstück; Reichhaltig und Gut. Die Fahrräder waren in einem Vorraum sicher untergebracht. Es gab verschieden große Zimmer im Haupthaus oder im Nachbargebäude auf der anderen Strassenseite. Die Zimmer sind standardmäßig schlicht aber funktional eingerichtet. Der Eigentümer mit seiner Crew hat uns sehr freundlich empfangen und eingewiesen und uns mit Informationen versorgt. Wir hatten das Glück, dass wir das einzige Zimmer, mit Zugang zur Gartenterrasse bekommen haben. (Sollte man bei der Buchung explizit nachfragen). Die Pension Sagerer liegt genau neben der Vilsbrücke, am Rande der Innenstadt.
Etappe 3: Vilshofen – Aldersbach – Lappersdorf
Länge: ca. 42 km
Höhenunterschied: 100m bergauf / 50m Bergab
Der weg (etappe 3 / Tag 3)
Der Morgen des 3.ten Tages. Inzwischen hat sich der Körper an die Anstrengung gewöhnt. Kein Muskelkater oder andere Ausfallerscheinungen. Das Frühstück kann genossen werden. Wir bereiten uns auf den neuen Tag vor. Da es keinen Supermarkt in der Näheren Umgebung gibt, versorgen wir uns in der Pension zumindest mit Wasser für den Tag. So können wir direkt starten.
Frisch gestärkt werden die Fahrräder vorbereitet und beladen und dann heißt es wieder „on the trail again“. Bis jetzt haben die Räder technisch gut durchgehalten.
Direkt neben der Brücke befindet sich die Pension Sagerer, mit direktem Blick auf die Stadtkirche und das gegenüberliegende, gelbe Gebäude des Bürgerspitals.
Diese wurde in 1343 als „Ewiges Spital für 12 Menschen aus Vilshofen“ gegründet. Das Spital mit der St. Blasius Kirche diente kranken und pflegebedürftigen Bürgern der Stadt. Im höher gelegenen Bruderhaus wurden seit 1713 verarmte Bürger versorgt. Beide Gebäude wurden später zu Altenheimen umfunktioniert.
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Nachdem wir einige Impressionen in der Innenstadt gesammelt haben, fahren wir zur Vils-Brücke zurück und radeln am Bürgerspital vorbei runter zur Vils, in Richtung Aldersbach.
Wir fahren an den alten Häusern der Fischerzeile entlang. Hier wohnten seit dem Mittelalter die Fischer der Stadt Vilshofen. Nur diese Fischer durften in der Donau und der Vils Fischerei betreiben. Die Häuser liegen sehr tief und waren regelmäßig von Überschwemmungen betroffen. Nach dem Bau der Deiche 1958 und 1968 an beiden Vilsufern gab es dann keine nassen Füße mehr.
Über diese Brücke läuft die Zug-Hauptverbindung von Deggendorf nach Passau.
Am Ende der Fischerzeile fahren wir rechts in diese Gasse.
Und schon nach kurzer Strecke verlassen wir die Stadt und sind mit dem Fluss alleine. Die Hauptbezeichnung dieses Radweges ist der „Vilstal-Radweg“ dieser verläuft von Dorfen (Nahe Erding) über Taufkirchen(Vils), Velden, Vilsbiburg, ca. 116km nach Vilshofen.
Das erste Teilstück, von Dorfen bis Velden, führt über eine im Jahr 2000 stillgelegte Bahnstrecke entlang der Vils. Natur Pur; Führt dieser Radweg vorbei an Barock-Kirchen, Schlössern, Viehweiden und Waldstücken und erlaubt zwischen Taufkirchen(Vils) und Dorfen herrliche Ausblicke über das Isental.
Wir fahren nur ein Teilstück dieses Radweges, von Vilshofen bis Aufhausen. Hier keuzt der Bockerlbahn-Radweg, der von Landau über Arnstorf nach Postmünster, ebenso auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft. Auf diesen werden wir dann morgen wechseln und über Landau wieder auf den Isar-Radweg zurück nach Dingolfing radeln.
Der Vilstal-Radweg hat zwischen Vilshofen und Aldersbach, den wir ja jetzt befahren, auch die Bezeichnung Bier-Radlweg. Hier werden auf einer Srecke von 13 km 10 verschiedene, witzige , aber auch lehrreiche Bier-bezogene Objekte präsentiert. Dieses ist eines davon. In dem Häuschen steht ein mit Kronenkorken gefülltes Bierglas.
Die Frage ist hier; Wie viele Kronenkorken befinden sich im Weißbierglas und wie viel Liter Weißbier passen in das Glas.
Der Radweg verläuft nun wieder ein Stück durch einen schattigen Wald, bis wir auf eine Anhöhe kommen, von der wir einen herrlichen Ausblick zurück, in Richtung Kloster Schweiklberg haben.
Nachdem wir diesen Aussichtspunkt genossen haben, geht es wieder hinunter zur Vils.
Nun geht es immer direkt am Wasser entlang. Hier herrscht eine Ruhe, die eigentlich zum Verweilen einlädt. Aber uns treibt es immer weiter…
Wir befinden uns im Vilsengtal, welches sich von Vilshofen bis nach Mattenham zieht. In diesem Bereich wurde bis ca. 1943 im großen Stil Granitabbau betrieben. Reste aus dieser Zeit sieht man teilweise heute noch entlang der Vils.
Das Wasser-Kraftwerk Schlehberg versorgt seit 1912 ein Teil von Vilshofen und vor allem die Granit-Brüche mit Strom. Das Geländer des Brückenbauwerkes wird heute gerne von Verliebten zum Aufhängen von Vorhängeschlössern, die mit den jeweiligen Namen versehen sind, genutzt.
Zwischen Vils und Taferlsee finden wir die Taferl-Kapelle, direkt am Rad/Wanderweg. Sie hat die Namensbezeichnung einer alten, in der Nähe gelegenen Flurbezeichnung „Taferl“ zu verdanken.
Auch diese hat einen Bezug zu dem Granitabbau in dieser Gegend. Wer auch den Bericht von Tag 1 dieser Radltour gelesen hat, hat auch die Info bezüglich der in 1991 gesprengten Eisenbahnbrücke über die Isar gelesen. Genau diese Bahn hat man damals für den Granitabbau im Vils-Engtal geplant. Durch die Einstellung des Granitabbaus 1942 wurde die Linie dann nicht mehr benötigt.
Der Radweg führt immer noch linksseitig, direkt an der Vils entlang. Im Gegensatz zu gestern, wo wir meistens einige hundert Meter entfernt vom Fluß geradelt sind.
Angekommen in Grafenmühl. Ein paar Häuser, eine Mühle und die Vils, die hier ruhig durch die Landschaft fließt. Aber auch hier kann es nasse Füsse geben.
In den Jahren 1903 und 1954 führte die Vils soviel Wasser, dass alle Häuser im Ort unter Wasser standen.
Das wichtigste in Grafenmühl; ??? Natürlich die Mühle. Die auch heute noch in Betrieb ist.
Das Vilstal ist von Grafenmühl bis kurz vor Vilshofen seit 1997 als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier kann man noch Feuersalamander und Schlingnattern vorfinden
Im Hintergrund sehen wir schon den Kirchturm von Schönerting. Dort erwartet uns ein Biergarten zur Mittagsrast.
Und schon haben wir den Biergarten erreicht. Sogar eine Ladestation für E-Bikes gibt es hier. Wenn es denn geöffnet ist. Wir stehen allerdings, wie so oft auf unserer Tour, vor verschlossenen Türen. Montags und Dienstags ist geschlossen.
Wir nutzen die Zeit und sehen uns noch etwas im Ort um und finden ein Alpaka Gehege (ganz süße Viecher), wie in jedem Ort, eine Kirche, ein Feuerwehrhaus. Was wir nicht finden, einen weiteren Gasthof oder Zumindest eine Einkaufsmöglichkeit.
Gut, dann muss es auch ohne Brotzeit gehen. Es geht zurück zur Schönertinger Brücke. Dort wechseln wir auf die rechte Vilsseite, weil wir ja noch unser Highlight „Aldersbach“ besuchen wollen. Dabei fiel uns der Angler, mitten in der Vils stehend, auf.
Wir haben es geschafft und Aldersbach erreicht. Nachdem wir festgestellt haben, dass der Biergarten der Schloßbrauerei geschlossen hat, konnten wir uns dann doch noch in einem Supermarkt versorgen und auf dieser Bank eine kleine Brotzeit machen.
Durch das Haupttor betreten wir den Vorhof mit der Asam-Kirche. Da diese zur Zeit restauriert wird, können wir diese leider nur von Außen bewundern.
Das Kloster wurde ungefähr im Jahre 1120 durch Augustiner Chorherren gegründet und fand in 1803, nach ca. 700 Jahren ein jähes Ende. Bei Schließung des Klosters lebten hier 42 Mönche, die das Kloster wirtschaftlich betrieben haben. Trotzdem wurde es auf Wunsch des Konvents geschlossen.
Insgesamt erlebte das Kloster im Laufe seiner Geschichte viele Höhen und Tiefen; Reichtum und Pracht, aber auch Plünderungen, Kriegsereignisse und Krankheiten, wie die Pest, unfähige Äbte und schlußendlich die politische bedingte Aufhebung. Nachdem das Kloster geschlossen wurde, sollte die Kirche abgerissen werden. Dank einem regen Bürgerprotest wurde sie dann zur Stadtpfarrkirche der Gemeinde Aldersbach erhoben.
Heute befinden sich in den Gebäuden ein Kaffee, eine Brauerei mit Biergarten und Restaurant. Es werden auch Seminare mit Übernachtung in den ehemaligen Mönchszellen angeboten. Das ehemalige Refektorium wird als Festsaal genutzt. Im vordern Teil (ehemaliges Schulgebäude) ist das Rathaus mit der gesamten Gemeindeverwaltung, sowie der Bauhof untergebracht.
Nach einem letzten Blick auf den Klostergarten, verlassen wir das Klostergelände und fahren weiter in Richtung Walchsing. Südlich von Walchsing gehen wir dann wieder auf den Vils-Radweg und folgen diesem auf der rechten Flussseite.
Vor Kriestorf wechseln wir wieder auf die Linke Seite der Vils um uns den Ort anzusehen. Er besteht überwiegend aus landwirtschaftlichen Gebäuden, aber auch einigen schönen neuen Häusern im niederbayerischen Baustil.
Diese Holzschindelfassaden sind nicht mehr so oft zu sehen. Sie sind überwiegend noch in Südtirol zu finden. Wir fahren weiter über Gainstorf nach Galgweis.
Was zum Teufel sind denn Gurkenflieger ?
Ziemlich genau in der Gemeinde Aldersbach beginnt das größte zusammenhängende Anbaugebiet von Einlegegurken in Europa. Dieses erstreckt sich vom Vilstal, bis hinüber zum Isartal und darüber hinaus. Das ist genau das Gebiet welches wir bei unserer Radltour umrunden. Die Gurkenernte ist schon fast gelaufen. Aber eines dieser Gestelle haben wir heute doch noch gesichtet. In Aktion konnten wir allerdings keine sehen.
Zur Ernte wird dieses Gestell Quer hinter einen Traktor gehängt. Hinter dem Gestell wird wiederum ein Hänger eingehängt. Das Ganze bewegt sich dann mit einer Geschwindigkeit von ca. 80m / Std. über den Acker.
In dem Gestell liegen/hängen bis zu 30 Personen auf dem Bauch, die Arme nach unten hängend, ca. 30cm über dem Acker. Nun greifen die Personen nach unten, um die auf dem Acker wachsenden Gurken einzusammeln und auf Quer laufenden Laufbändern zu deponieren. Das ist Arbeit auf Höchstleistungs-Niveau. In der Mitte des Gestells werden die Gurken gesammelt und über ein weiteres Förderband auf den Hänger transportiert.
Da schmerzen meine Knochen schon vom Hingucken.
In Galgweis hatten wir bei den ersten Planungen der Tour eine Übernachtung beim Landgasthof Hötzl geplant. Durch einige Änderungen der Route, hat sich dann Lappersdorf als nächste Übernachtung ergeben. Und wir sehen, auch wenn wir hier gebucht hätten, wäre heute das Restaurant geschlossen gewesen. Da wir diese Situation mit geschlossenen Restaurants, Biergärten etc. sehr oft hatten, haben wir daraus gelernt, dies bei der nächsten Planung einer Radtour, viel höher zu bewerten, als wir es bei dieser Planung gemacht haben.
Weiter geht es ohne Halt, über Gergweis nach Göttersdorf. Am Rande von Göttersdorf entspannen wir uns etwas, indem wir den Bauern bei der Kohlkopf-Ernte beobachten.
Ob der einsame Kohlkopf auf der Strasse wohl noch gebraucht wird? Vielleicht können wir ihn ja an die Wirtsleute der nächsten Übernachtung verkaufen…..
Von Göttersdorf kreuzen wir wieder die Vils und fahren nun wieder linksseitig auf dem Radweg parallel zur Hauptstrasse, über Krohstorf und Enzverweis nach Eichendorf.
Von Eichendorf ist es nur noch ein Katzensprung nach Adldorf, bekannt durch das Schloss Adldorf. Wer auf der Vilstalstaatsstrasse daran vorbei fährt, kann durch das Schmiedeeiserne Tor ein Blick auf das wunderbare Anwesen der gräflichen Familie von Arco auf Valley werfen, das prächtig zwischen Bäumen und viel Wasser liegt. Untrennbar ist das Schloss durch einen Arkadengang mit der benachbarten Pfarrkirche „Maria Unbefleckte Empfängnis“ aus dem 18.Jahrhundert, verbunden.
Das Schloss wurde 1602 erbaut, mehrmals stark beschädigt (Kriege und Brände) und 1906, nach einem Brand, komplett neu aufgebaut. Wir können leider nur die beschriebene Schönheit erahnen, da das Schloss nicht öffentlich zugänglich ist. Direkt gegenüber dem Schloss befindet sich die Gräfliche Brauerei Arco-Valley.
Diesmal geht es nicht darum Pracht-Gespanne (Bierwagen) durch die Stadt zu ziehen, sondern ab in den Schlaf-Stall.
Und wir sehen langsam zu, dass wir unser Prachtgespann ins nächste Nachtquartier befördern. Nur noch 3 km.
Der heutige Tag hat wieder mal richtig Spaß gemacht. Das Wetter einmalig und wir freuen uns auf ein gutes Essen und eine Halbe (oder auch mehr) im Biergarten.
Die frische Luft und die sportliche Anstrengung sorgt dann schon für die nötige Bettschwere.
Angekommen im Nachtquartier, dem Gasthof Kirschner in Lappersdorf. Mozart, der Hund der Wirtsleute, erwartet uns schon und möchte die Bestellung aufnehmen. Naja, das kann er nicht wirklich. Aber wenn das Frauchen im Biergarten abkassiert, nimmt er den Geldbeutel und bringt ihn zum Herrchen in die Gaststube. Das nenne ich Erziehung. Hier haben wir einen schönen Abend mit interessanten Gesprächen, einem guten Schnitzel und mehreren Halben verbracht.
Und so neigt sich der dritte Tag dem Ende zu.
Morgen gehts auf zum Endspurt. Der Wetterbericht sagt für morgen Nachmittag Regen an. Mal sehen ob wir nass werden. Heute war der Himmel Blau/Weiß oder wie der Bayer es sagt Weiß/Blau ……. oder war es doch umgekehrt ???
Den letzten Teil der Radltour könnt Ihr dann ab ca. dem 25.11.2020 ansehen.
Und nun „Gute Nacht“